Mama , bin ich dick ?

Mit diesen Worten hatte meine 8 jährige  Tochter mich neulich mehr als überrascht. 

 

Meine Antwort auf die Frage : Du bist gut so wie du bist .

 

Auf Nachfrage wie sie darauf kam, erzählte sie mir das die Jungen ihrer Klasse das sagten.

 

Für sie war das Thema schnell wieder vergessen, aber mich hat es zurückgelassen mit vielen Fragen und Gedanken zu dem Thema .

 

Es war nicht das erste mal das ich Berührungspunkte mit dem Thema Essen, Figur mit Kindern hatte .

 

Meine Tochter hat sich neulich auf die Waage gestellt ( mein Mann nutzt diese regelmäßig ) und sagte mir die Zahl.

Meine Antwort war im Bad Ja Schatz . Alles ist gut egal wie die Zahl ist . Ist ja nur eine Zahl. 

Das habe ich völlig nebenbei , unaufgeregt gesagt um den Zahlen auf der Waage keinerlei Bedeutung beizumessen. Ich selber weiss die Zahl selber im Nachhinein nicht mehr.

 

 

Oder die Erzählung einer Mutter zu Kindergartenzeiten die belustigt erzählte, das ihre Tochter 

auf der Waage stand und und sagte ... „ Mama du hast danach oft schlechte Laune wenn du da drauf warst

Sie fand das lustig . Ich fand es erschreckend .

 

So hatten wir auch schon eine Spielfreundin zu Besuch die nicht soviel Schokolade essen wollte aus Angst dick zu werden . Da waren die Mädchen sechs Jahre.

 

Immer wieder werde ich in meinem persönlichen Alltag mit Themen konfrontiert die Kinderköpfen nicht Thema sein sollten. 

Wenn ich all diese Momente in Erinnerung rufe, frage ich mich…. sind das die ersten Bausteine die in eine spätere Essstörung gelegt werden?


Wie kann es sein, das kleine Mädchen oder Kinder dem ganzen Thema Dicksein, Körper schon soviel Raum geben, ohne überhaupt das ganze Ausmaß erahnen zu können?

Woher kommen diese Gedanken und Aussagen der Kinder?

 

Von Geburt an möchte ein Kind wachsen und sich weiterentwickeln. Es tut dies mit seinen von den Eltern und den Vorfahren ererbten körperlichen, seelischen und geistigen Anlagen im Wechselspiel von

• biologischer Reifung des Körpers und seiner Organe,
• kindgerechten und altersgemäßen Anregungen und
• seinen eigenen, selbst erlebten Erfahrungen.

 

Seinen selbst erlebten Erfahrungen, diese Aussage bringt mich dazu einmal weiter zu schauen und zu fragen: „ Wie ist das Essverhalten und der Umgang mit Essen in der Familie, bei den Müttern?“
Wie sehr sind sie beeinflusst von der Diätindustrie? Dem ständigen Kampf, möglichst schlank zu bleiben oder zu werden?“
„Wie werten und bewerten sie Ihren eigenen Körper?“
„Wie ist der Umgang in den Familien mit Lebensmitteln?

 

Diese Fragen führen mich zu zwei bekannten Beispielen, welche schon seit Generationen in vielen Familien ein Thema waren oder sind.

 

Das erste Beispiel :

„Wenn du nicht aufisst, gibt es nichts Süßes“

Für viele Mütter ist es auch heute noch ein Satz, der gerne gesagt wird. 

Aber warum? Was sind die Beweggründe ?

 

Als ich dazu zwei Mütter gefragt hatte, waren ihre Argumente: ich habe Angst, das mein Kind sonst nicht genug Gesundes isst. Das zweite Argument war: „Wenn mein Kind genug von einer ausgewogenen Mahlzeit isst, dann ist es satt und braucht nichts Süßes.“

 

Ich frage mich, wieso muss Essen als Druckmittel dienen?  

Mochten diese Kinder das Essen, was sie unbedingt aufessen mussten?

Und ich frage mich: Wieviel Spass und Genuss kann ein Kind unter diesen Bedingungen beim Essen entfalten?

 

Ich wurde gefragt, wie ich es denn handhabe .

 

 

Ich schreibe kein Süßigkeitenverbot oder -Limit vor. Meine Tochter kann sich etwas nehmen, wann sie möchte. An manchen Tagen ist das viel, an manchen wenig, an manchen möchte sie gar nichts.

Einzige Ausnahme, kurz vor dem Abendbrot.

Dann sage ich, dass wir bald essen und sie sich das vielleicht zum Nachtisch aufheben kann.

Ob es da Schwierigkeiten gibt? Meist nie, weil sie oft neugierig ist auf das, was ich koche oder mache. Und vor allem weil sie weiß, dass die Süssigkeiten danach ja ohne Bedingungen verfügbar sind.

 

 

Das zweite Beispiel ist: „Es wird gegessen was auf den Tisch kommt.“ 

 

Dieses Beispiel kollidiert mit dem Erleben in vielen Familien von:

 

„Mein Kind isst nur Nudeln mit Ketchup“ und „Das kann doch nicht gesund sein“.

 

Wenn wir diese Sätze sagen, haben wir bereits in unserem Inneren einen wahnsinnigen Druck aufgebaut, genau das ändern zu müssen.

Gedanken wie : ich habe doch extra was Schönes gekocht, das ist ungesund, meinem Kind wird das schaden, brennen sich ein. Oftmals werden jede Menge ungute Gefühle aufgerufen, die einen immensen Druck erzeugen, genau das ändern zu müssen.

 

Warum? Was hält uns davon ab diese Phasen des monotonen Essens unserer Kinder auszuhalten? 

Ich schreibe bewusst Phasen. Denn diese sind es in der Regel. Und ja, diese Phasen können durchaus lange anhalten.

Es braucht sicherlich Durchhaltevermögen und die eigene Akzeptanz, genau diese Phasen wohlwollend zu begleiten. 

Es ist ok, wenn es nur Nudeln mit Ketchup sein sollen. Jede Diskussion, jedes Aufregen erzeugt wieder enormen Druck. Beim Kind, das Essen mit Zwang und Verärgerung der Eltern verbindet und vor allem bei einem selber.

Wenn wir den Kindern ihre Essens-Monotonie lassen, uns wirklich bewusst darauf einlassen können, das anzunehmen, werden sich diese Phasen verändern. Kinder sind von Natur aus neugierig. Die Neugier etwas auszuprobieren kann sich ohne Druck und Zwang entwickeln.

 

Was kann schlimmstenfalls passieren?

 

Diese Frage finde ich sehr spannend, wenn wir uns diese mal selber stellen.

Was ruft dieser Satz in unserem Inneren auf?

Unsere eigene Konfrontation mit unserem Erleben? Mussten wir damals immer aufessen, was auf den Tisch kam, ohne wenn und aber?

Haben wir damals Süßigkeiten bekommen? Wie haben unsere Eltern und vor allem Mütter ihren und unseren Körper bewertet? Haben wir schon damals gehört: Hör auf Schokolade zu essen, du wirst sonst dick. Haben wir uns selber bereits Bewertungen über unsere Körper anhören müssen?

All das können wichtige Fragen sein, um zu verstehen, warum es uns so schwer fällt, mit unseren Kindern einen unbeschwerten Umgang beim Thema Essen und Körper zu finden.

 

 

Auf die Frage „ Wie schaffe ich es, dass mein Kind mehr Obst oder Gemüse isst?“

antworte ich immer: „durch guten Kontakt, durch reden und vor allem durch Vorleben.

Ich habe aber immer eine kleine Auswahl an Obst zuhause .

Ich schneide es gerne gemischt auf und nehme mir etwas und erkläre meiner Tochter, dass Obst und Gemüse sehr gesund sind, unseren Körper stärken und die Vitamine unser Immunsystem stärken. Man sagt, Essen verbindet. Stimmt, in dem Moment, wo ich zum Obst greife und erzähle,

nimmt sie mich wahr. Es schafft ein Bewusstsein, dem eigenen Körper bewusst und mit Freude etwas Gutes zu tun. 

 

Das geht auch schon mit kleinen Kindern. Sie müssen es inhaltlich gar nicht immer verstehen.

Sie spüren aber unsere eigene Haltung und unsere Stimmung .

Wenn wir selber klar, offen und wohlwollend darüber reden und erklären, behalten die Kinder eine positive Verknüpfung in Erinnerung.

 

Und damit komme ich wieder zurück zu dem Punkt: Wie gehen wir selber mit uns um?

Wie ist unser Umgang mit dem Essen?
Wie frei und ungezwungen können wir damit sein?

Welche Verbote haben wir selber für uns ? 
Welche Bewertung und Bedeutung geben wir unserer Figur und unserem Gewicht?

 

Kinder sind unsere Spiegel.

Sehen wir uns selber, können wir auch sie sehen.

 

Kommen wir uns selber näher, können wir uns selber mehr akzeptieren, können wir uns von einer Waage nicht die Stimmung beeinflussen lassen und können Essen mit Genuss erleben, ohne in Gut und Böse einzuteilen.  Wenn wir selber unseren Körper negativ bewerten, werden unsere Kinder das mitkriegen und anfangen, auch ihre Körper in Frage zu stellen. 
SIe fangen an sich zu fragen, ob sie ok sind so wie sie sind, und sie werden werten weil sie es den Erwachsenen nachmachen.
Auch wenn sie es nicht hören. Kinder können soviel mehr spüren als wir uns das vorstellen können. 

Wenn wir anfangen uns selber von den Bewertungen zu lösen, schaffen wir auch für unsere Kinder wieder mehr Raum mit ganz viel Annahme, Akzeptanz des eigenen Körpers und vor allem Freude und Genuss am Essen.

 

Essen und Kinder